Akkordeon weltweit: Ralf Brendle in Shenyang

 

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Shenyang, Juni 2009

Am Freitag, den 12.06., begann das Auftaktkonzert in Shenyang/China in der Region Liaoning. Dort fand die vierte „Deutschland-Chinapromenade“ statt, die im Rahmen der Veranstaltung „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ veranstaltet wurde. Träger sind neben dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut auch der Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft, die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ sowie weitere Partner aus Bundesministerien, Ländern und der deutschen Wirtschaft. Bundespräsident Horst Köhler und der chinesische Staatspräsident Hu Jintao übernahmen die Schirmherrschaft für das Projekt, das 2007 zum ersten Mal stattfand und bis 2010 noch einige weitere Male in verschiedenen chinesischen Provinzen organisiert werden soll.

Das Hohner-Trio, das sich aus Ralf Brendle, Tobias Escher und Li „Jazzboy“ Tian Long zusammensetzt, spielte jeden Abend auf der Bühne zum Auftakt der Abendkonzerte.

Die ersten beiden Tage noch als Duo Escher/Jazzboy die ihre neue CD „together in movement“ präsentierten, dann als neuformiertes „Hohner-Accordeon-Harmonic-Ensemble“ kurz: HOHNER-TRIO.

Unterstützt werden die drei von der Firma Hohner und dem Hohner-Konservatorium.

Tobias Escher und Ralf Brendle waren Semesterkollegen und absolvierten beide ihr Musikstudium am Hohner-Konservatorium-Trossingen.

Li Tian Long lernten sie bei Ihrer ersten Chinareise im Mai 2008 in Chongqing kennen. Im November traten sie dann das erste Mal als Hohner-Trio, im Rhamen der 3. Promenade, in Guangzhou auf. Nach zwei Deutschlandreisen, die Jazzboy zwischen November und Mai machte, kamen sie in Shenyang nun wieder zusammen.

 

Erlebnisbericht von Ralf Brendle.

Ich flog wegen Konzerten in Deutschland erst am Samstag los um am Sonntag in Shenyang zu Tobias Escher und Li Tian Long zu stoßen. Beide kamen schon Ende Mai nach China, um im Duo in Guangzhou und in Shenzhen zu konzertieren.

Kaum gelandet, wurde ich erst an die mögliche Schweinegrippe erinnert. Mit Mundschutz bekleidet, kamen chinesische Beamten um jedem Passagier die Temperatur zu messen, Formulare mussten ausgefüllt und im Flughafen noch einmal eine Wärmekamera durchschritten werden. Ansonsten verlief der Flug und die Fahrt zum Hotel ohne große Probleme und so kam ich am Sonntag Nachmittag im Hotel in Shenyang an.

Wir gestalteten unser Programm, das zwischen 20 und 40 Minuten dauerte, jeden Abend neu und so studierten wir auch schon mal Stücke am Nachmittag ein, die wir abends spielten. Bei individuellen Proben und vor allem beim Austausch mit Jazzboy, bei denen wir uns gegenseitig Ideen, Licks, Rhythmen und Stücke an der Harp vorspielten, verging die Zeit rasend. Danach ging es zur Bühne um den Soundcheck um 17 Uhr durchzuführen. Ab 18 Uhr ging es dann nach einer traditionell-chinesischen Gruppe sofort mit Tobias Escher, Li Tian Long und mir los. Durch die unterschiedlichen Besetzungen:Tobias Escher am Akkordeon, Melodica und Gesang, Li „Jazzboy“ Tianlong an der Mundharmonika und der Trompete und ich am Akkordeon, Melodica und Mundharmonika konnten wir verschiedenste Musikstile wie Blues, Jazz, Folk sehr vielfältig vortragen. Dies wurde mit Begeisterung vom Publikum, vom Bühnenpersonal und von den Veranstaltern honoriert.

Das Publikum in Shenyang war sehr aufgeschlossen und begeisterungsfähig. Leider war die hiesige Polizei sehr nervös und unterband es sofort, wenn Fans im Takt der Musik hüpften. Udo Hoffmann, der Organisator und Chinakenner meinte, die Polizisten sind sehr nett und kooperationswillig, aber bei solchen Großveranstaltungen noch sehr unerfahren. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren, sei sehr groß. Leider schürten sie mit diesem Verhalten eher Konflikte. Das Publikum wollte feiern und fröhlich sein, deshalb tat es der guten Stimmung keinen Abbruch, wenn mal wieder ein Polizist mit erhobenem Zeigefinger kam.

Am Montag kam eine Delegation von deutschen Politikern, darunter auch Herr Gabriel und Frau Gönner. Nach den Konzerten am Abend, ca. 22 Uhr, kam ein spontaner Anruf der Organisation. So ging ich in den extra für die Veranstaltungswoche aufgebauten Biergarten und machte mit dem Akkordeon etwas Musik. Ich merkte den Persönlichkeiten die Müdigkeit an, aber beim Baden-Württembergtisch mit Frau Tanja Gönner fühlte ich mich wohl. Wir kamen gleich ins Gespräch und so wurde der anfänglich etwas schwierige Auftritt bald richtig kurzweilig.

An beinahe jeden Abend gab es nach der offiziellen Veranstaltung mit den Musikern anderer Bands eine Jamsession. Man lernte sich untereinander kennen und tauschte sich aus.

Am Montagabend den 15. Juni fand eine legendäre Jamsession statt, von der jeder begeistert war. Der General Manager der Hotelkette, ein Schweizer und selber Musiker, meinte, dass er das hier in 20 Jahren noch nicht erlebt hat.
Haindling, die Kult-Band aus Bayern um den Kopf und Multiinstrumentalisten Hans-Jürgen Buchner begann mit ihrem Programm und Li “Jazzboy” Tian Long machte einfach mit und begeisterte das Publikum, das zu einem sehr großen Teil aus BMW-Mitarbeitern bestand.
Später waren dann Musiker aus mindestens 4 verschiedenen Bands auf der Bühne und wir spielten von Jazz, Blues, Reggae bis zum Kufsteiner Lied einfach alles. Nach den “Anton, Anton”-Rufen aus dem Publikum eben auch noch den Anton aus Tirol.

Auch diese Deutschlandpromenade verging wie im Fluge. Die Organisation war tadellos, unter den Musikern und den Bühnentechnikern klappte alles super und die Chinesen waren uns Deutschen sehr aufgeschlossen.
Udo Hoffmann meinte, dass das Hohner-Trio schon zum Equipment der „Deutschland-China Promenade“ gehört und natürlich im Oktober wieder dabei ist.


An dieser Stelle möchte ich an all meine Schüler und Eltern ein Dankeschön aussprechen, die bereit sind, die Unterrichtsverlegungen mitzumachen und große Flexibilität und Verständnis zeigen.

In meinem Blog http://blog.ralfbrendle.de/ habe ich ausführlich über die Konzertreise berichtet.

 


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( Stand 17.10.09 )